Tomaten im Fondue? Im Wallis ganz normal - Stiftung Ferien im Baudenkmal

Tomaten im Fondue? Im Wallis ganz normal

Text und Bild: Heddi Nieuwsma

Während einer der letzten Wochen des Winters durfte ich einige Tage in der historischen Kaplanei verbringen. Im deutschsprachigen Dorf Ernen im Wallis gelegen, bot die ehemalige Kaplanei sehr komfortabel Platz für uns vier. Schon vor der Ankunft waren es die Bilder der leuchtend blauen Wände im Inneren, die meine Neugier geweckt hatten. Vor Ort hat sich dieser Eindruck sofort bestätigt.

Die Tage in der Kaplanei waren geprägt von viel gemeinsamer Zeit in der Küche. Wir haben gekocht, gebacken und gegessen, stets begleitet von der Wärme des Holzofens und dem Komfort des modernen Backofens. Beim Abwasch im grossen Steingussbecken öffnete sich der Blick auf die Pfarrkirche St. Georg, die durch das Fenster fast zum festen Bestandteil des Küchenalltags wurde. Zwischen dem kleinen Dorfladen und einem nahegelegenen Hofladen liess sich alles finden, was es für unsere Mahlzeiten brauchte.

Das 1776 erbaute Haus erstreckt sich über drei Stockwerke und entfaltet seinen Charakter besonders im Zusammenspiel der Räume. Auf der mittleren Etage befindet sich eine kleine private Kapelle mit allegorischen Malereien. Einer aus unserer Gruppe machte sie kurzerhand zu seinem Schlafzimmer. Und wer dort übernachtet, merkt schnell, dass dieser Raum nicht nur besonders ist, sondern auch die beste Akustik bietet, um die frühmorgendlichen Kirchenglocken sehr präsent mitzuerleben.

Ein Höhepunkt unseres Aufenthalts war ein gemeinsames Mittagessen, an dem wir ein Tomatenfondue zubereiteten, eine regionale Spezialität aus dem Wallis. Während beim klassischen Schweizer Käsefondue Brotwürfel direkt in die geschmolzene Masse getunkt werden, wird das Tomatenfondue traditionell mit Salzkartoffeln serviert. Statt die Kartoffeln einzutauchen, wird das Fondue mit der Schöpfkelle direkt auf den Teller gegeben.

Das Rezept dafür möchte ich hier gerne teilen, für alle, die dieses Gericht während eines Aufenthalts in der Kaplanei oder in einer anderen Ferien im Baudenkmal Unterkunft selbst ausprobieren möchten. Es ist ein wärmendes Gericht, das nach einem Tag an der frischen Luft besonders gut schmeckt.

Rezept: Tomatenfondue

Menge: 4 Portionen

Zutaten

1 Knoblauchzehe, geschält und halbiert
175 ml trockener Weisswein (z. B. Fendant oder Sauvignon Blanc)
1 Esslöffel Speisestärke
300 g Gruyère, gerieben
300 g Raclettekäse, dünn geschnitten
2 mittelgrosse Tomaten, entkernt und fein gehackt, Zimmertemperatur

Serviervorschlag
Salzkartoffeln (in der Schale gekocht, z. B. Charlotte), Brotwürfel

Zubereitung

In einer kleinen Schüssel Weisswein und Speisestärke gut miteinander verrühren. In einer zweiten Schüssel die beiden Käsesorten gleichmässig mischen.

Das Caquelon mit der Schnittfläche der halbierten Knoblauchzehe ausreiben. Etwa 50 ml Weisswein ins Caquelon geben und dieses bei mittlerer Hitze auf den Herd stellen. Sobald der Wein zu köcheln beginnt, etwa ein Viertel der Käsemischung hinzufügen und die Masse während rund fünf Minuten in regelmässigen Achterbewegungen rühren, bis der Käse geschmolzen ist.

Anschliessend die Hälfte der restlichen Käsemischung sowie die Hälfte des übrigen Weins dazugeben und etwa zehn Minuten weiter rühren, bis der gesamte Käse geschmolzen ist. Danach die Tomaten zusammen mit der restlichen Käsemischung und dem verbliebenen Wein einrühren.

Sobald das Fondue eine glatte Konsistenz hat, vom Herd nehmen und auf das Rechaud stellen. Zum Servieren das Fondue portionsweise mit einer Schöpfkelle auf die Teller mit den Kartoffeln geben.


Heddi Nieuwsma ist eine amerikanische Food-Autorin mit Wohnsitz in der Westschweiz. In ihrem Blog Cuisine Helvetica widmet sie sich der Schweizer Kulinarik und berichtet über regionale Spezialitäten, traditionelle Rezepte sowie kulinarische Veranstaltungen und Reisen. Während ihrer Aufenthalte in unseren Baudenkmälern verfasst sie persönliche Erfahrungsberichte und stellt jeweils ein regionales Rezept vor, das wir gerne mit Ihnen teilen. Klicken Sie hier, um Heddis Kochbücher zur Schweizer Küche zu entdecken.